Kommunikation 1.0

Eine Regionalzeitung im Südwesten suchte kürzlich per Print-Anzeige für ihre Umlandredaktion „Freie Journalisten“. Gefragt war das Übliche – Engagement, Flexibilität, Zuverlässigkeit. Ganz ironiefrei: Das ist für Freie, die ihren Beruf ernst nehmen, keine Überraschung. Wir leben davon, uns flexibel und zuverlässig reinzuhängen.

Schwammig blieb die Anzeige in zwei Punkten. Erstens: Was sollten die Freien eigentlich tun? Suchte man – wie es eine Kollegin so schön sagte – „Termindödel“, die am Samstagabend das Jubiläum des Schützenvereins bejubeln oder sich in Ortschaftsratssitzungen die Feinheiten von Gartenzaunhöhen erklären lassen. Oder suchte die Redaktion jemanden, der etwas spannendere Geschichten ausgräbt, recherchiert und schreibt. Und zweitens: Wie soll das Ganze denn bezahlt werden? Ich finde es gar nicht ungebührlich, vor einer „Bewerbung“ als freier Mitarbeiter zu fragen, um welche Aufgaben es denn gehen und wie diese bezahlt werden sollen. Wenn ich selber jemanden beauftrage, will ich ja vorher auch wissen, was seine Leistung kosten wird.

Ich schrieb also eine Mail an die angegebene Adresse, stelle mich auf Augenhöhe, und fragte beide Themen im Sinne einer möglichen professionellen Zusammenarbeit nach. Nur leider – es kam keine Antwort. Nach einer Woche hakte ich freundlich noch einmal nach. Wieder keine Antwort.

Es bleibt der etwas schale Geschmack, dass diese Redaktion offensichtlich gerade nicht auf Augenhöhe kommunizieren und kooperieren will, sondern billige Lohnschreiber suchte, die sie nach Belieben abends und am Wochenende in die Provinz schicken kann. Und leider bestätigt die Redaktion damit auch einige frühere Kontakte, die ebenso unerquicklich liefen.

Das ist schade, denn viele Redaktion haben heute auch schon verstanden, dass motivierte Freie eine Bereicherung sein können. Sie bringen Erfahrungen, Ideen und Kompetenzen mit. Und billiger sind sie allemal, auch wenn man ihnen mehr bezahlt, als es in den letzten Jahrzehnten üblich war. Auch dieser Gedanke beginn in Deutschland so langsam zu keimen.

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