Bloß kein Fast Food

Was ist Schreiben denn nun? Kunst? Handwerk? Eine Mischung aus beidem? Ganz ohne „Kunst“, einen Funken Inspiration, funktioniert es nicht, sonst werden es langweilige Texte ohne Gespür für das Thema und den notwendigen Klang. Und ohne Handwerk bleiben die (Ab-)Sätze bloßes Stückwerk ohne inneren Zusammenhalt.

Das wichtigste beim Schreiben ist aber die Zeit. Ich gebe zu, dass ich manchmal etwas Druck brauche, und dann schreibe ich sehr schnell. Aber ich gebe Texte, die in so einem kleinen Schreibrausch entstanden sind, nur sehr ungern nach außen. Sie brauchen Zeit zum Reifen, zum Überarbeiten und Verschleifen der unschönen Ecken.

Vielleicht ist das Kochen die beste Analogie zum Schreiben. Für ein gutes Gericht braucht es ein stimmiges Rezept, tolle Zutaten, ein wenig Geschick – und vor allem Zeit. Klar, man kann schnell ein paar Nudeln durch die Pfanne schubsen, das macht auch satt. Aber echte Befriedigung entsteht so nicht.

Für einen guten Text nimmt man zuerst einen stimmiges, interessantes Thema (das Rezept). Dann zieht man los und beginnt zu recherchieren, und kommt tunlichst erst wieder nach Hause, wenn man die besten Zutaten (Zitate, Fakten, Unterlagen) in der Tasche hat, die zu finden waren. Wer jetzt alles in die Pfanne wirft und drauflos brutzelt, wird seinen Zutaten nicht gerecht. Manche wollen sanft garen, um ihren Geschmack zu entwickeln, andere brauchen kräftige Hitze, damit sie nicht vertrocknen. Hier muss die Geduld den Appetit besiegen, damit man die Pfanne nicht mit einem „Passt schon!“ zu früh vom Herd zieht. Im langsamen Brutzeln und behutsamen Nachwürzen lässt sich noch eine Menge feiner Noten in den Text bringen.

Erst wenn uns selber das Wasser im Mund zusammenläuft, ist der Text fertig. Dann aber muss er rasch auf den Tisch, schließlich sollen ihn ja vor allem andere genießen.

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